Über das Projekt

Archiv der erzählten Geschichte www.e-historie.pl

„Archiv der erzählten Geschichte” konnte nicht entstehen und sich entwickeln ohne zwei bestimmte Gruppen. Zu der ersten Gruppe gehören junge Menschen, die ihre Freizeit dem Kennenlernen der Vergangenheit durch Gespräche mit sog. Zeitzeugen widmen. Oftmals entdecken sie während dieser Gespräche die Geschichte ihrer kleinen Heimat, die Geschichte ihrer Region oder ihrer Familie. Der zweiten Gruppe gehören ältere Menschen an, die oft Zeit und die innere Kraft finden, um über schwierige Momente ihres Lebens zu berichten. In den Erinnerungen der älteren Generation erwacht die Geschichte aufs neue, alle diese Erzählungen erwecken unsere Phantasie. Das sind keine Sammlungen von Daten und Fakten, sondern ein emotionales Bild, welches hilft sich in die Vergangenheit zu versetzen.

Das Projekt setzt sich aus einer zweitägigen Schulung zusammen. Die Teilnehmer der Schulung -junge Menschen, nehmen an einem Seminar teil, der der neusten Geschichte Schlesiens gewidmet ist. In dem technischen Teil werden die Teilnehmer unter Leitung von Experten im Bereich der Durchführung von Interviews geschult. Danach führen die Teilnehmer Interviews mit Zeitzeugen durch, welche dann auf dem Portal www.e-historie.pl veröffentlicht werden.

Die Berichte der Zeitzeugen, die auf unserer Seite zugänglich sind betreffen Ereignisse aus dem Blickpunkt der deutschen Minderheit in Schlesien, der polnischen Mehrheit wie auch derjenigen die sich als Schlesier bezeichnen. Das Projekt „Archiv der erzählten Geschichte” welches durch das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen realisiert wird, erweitert von Jahr zu Jahr die Zahl der gesammelten Berichte.

Das Projekt ist im Jahr 2009 gestartet. Bis Ende 2015 wurden 7. Editionen realisiert, dessen Ergebnis mehr als 300 aufgenommene Berichte, die auf der Seite www.e-historie.pl veröffentlicht sind. Die Berichte wurden in 7 Themenbereiche aufgeteilt. Das gesammelte Material bezieht sich auf die 30er Jahren des 20 Jahrhunderts bis hin zu den 90er Jahren. Unter den gesammelten Berichten finden wir schwierige als auch fröhliche Geschichten. In den Interviews stoßen wir auf 2 Erinnerungswellen der Einwohner Oberschlesiens: das oberschlesische und das ostpolnische Motiv, was auf die Herkunft der gegenwärtigen Einwohner zurückzuführen ist. Mehr als die Hälfte der Berichte betrifft Kriegshandlungen in Oberschlesien, die Gestaltung der Nachkriegswirklichkeit, die Oberschlesische Tragödie, schwere Verbrechen und die ausgeübte Gewalt. Seltener werden Themen vorgestellt, die auch Zusammenhang mit dem Krieg haben wie z.B. die Beschreibung von verschiedenen Ereignissen in Bezug auf die Einwohner Oberschlesiens, Aufbau von gesellschaftlichen Relationen und für die Identität wichtige Themen, wie oberschlesische Sitten und Bräuche. Die Autoren der Erinnerungen bedienen sich einer für sie bequemen und einfachen Sprache. Daher können wir uns Berichte in der polnischen und deutschen Sprache, aber auch im schlesischen Dialekt anhören.

Alle Interviews wurden inhaltlich von wissenschaftlichen Betreuern des Projektes überprüft. Zu den Betreuern gehörten: Dr. Danuta Berlińska – Soziologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin u.a. an der Universität Oppeln und dem Schlesischen Institut in Oppeln ( in den Jahren 2009-2010), Dr. Maciej Fic –Mitarbeiter des Forschungsinstitutes für Methodologie und Didaktik am Institut für Geschichte der Schlesischen Universität (2010-2012), Dr. Bernard Linek – Schlesisches Institut in Oppeln (2010-2013), Dr. Adriana Dawid – wissenschaftliche Mitarbeiterin des Institutes für Geschichte an der Universität Oppeln (bis 2014).